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Streiten und Gewalt

Das Thema Gewalt ist der heißeste Gesprächsstoff in Diskussionsrunden, auch schon vor den schrecklichen Ereignissen am 11. September 2001 in den USA. Im Zeitalter der globalen Information sind wir rund um die Uhr Zeugen von menschenverachtenden Gewalttaten; nicht nur bei Kriegen und Terror, sondern auch im eigenen Land fordert dieses Thema lässt täglich unsere Aufmerksamkeit, sei es die Gewalt aus Fremdenhass, die viel diskutierte Gewalt in den Schulen oder die häusliche Gewalt in Ehen und Familien. Unser gespanntes Interesse gilt zu allererst den Verletzungen des Körpers, dem Schlagen von Wunden bis zur lebensgefährlichen Brutalität – also Gewalt gegen Leib und Seele. Denn Gewalt gegen den Leib schadet auch der Seele.
betrunken_streitenBeim Streiten erleben wir noch eine andere Form der Gewalt. Vom Lächerlichmachen über Kränkungen, verbale Beleidigungen bis zum Psychoterror und der mentalen Vernichtung des Gegners. Als Beispiel seien hier die Ehe- und Scheidungskriege und das weit verbreitete Mobbing von Mitarbeitern genannt. Diese nichtkörperliche Gewalt wirkt oftmals auch schädigend auf den Körper. Bezeichnungen wie: „Es geht Schlag auf Schlag“ oder „Wie du mir so ich dir“ kennen wir alle. Beide Formen der Gewalt, ob körperlich oder psychisch, sind zerstörerisch. Augenblicklich sichtbar ist im Streit nur die körperliche Gewalt, weswegen wir diese Gewalt sofort anprangern. Einer der Gründe dafür ist, dass, wenn beim Streiten geschlagen wird, eine solche Beziehung in unserem Kulturkreis im Grunde beendet ist. Diese Regel widerspricht nicht der Tatsache, dass sich Frauen in Deutschland oft erst nach Jahren gegen die Gewalt ihrer Peiniger auflehnen und Hilde suchen. Intimbeziehungen mit körperlicher Gewalt basieren meistens auf gegenseitiger Abhängigkeit von Macht und Ohnmacht.

Es ist noch nicht allen Menschen in unserer Gesellschaft möglich, ohne körperliche Gewalt miteinander zu streiten. Die Menschenwürde, und hier besonders das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit, und die Menschenpflicht zur Unterlassung physischer Gewalt bei Konflikten ist noch immer nicht eindeutig und allgemein gültig definiert. Erst in jüngster Zeit hat der Gesetzgeber die Gewalt in der Ehe zur strafbaren Handlung erklärt. Eine wissenschaftliche Studie belegt es: Wenn in Deutschland Streifenwagen gerufen werden, dann deshalb, weil in drei von vier Fällen hinter Wohnungstüren und in deren Umkreis geschlagen wird. Als Mittel zu akuten Krisenintervention spricht die Polizei seit neuestem einen so genannten „Platzverweis für Schläger“ aus. Diese rote Karte für Gewalttäter(überwiegend sind es Männer die Opfer sind Frauen, in 80 Prozent der Fälle auch Kinder) verbietet den Schlägern, die Wohnung und das Umfeld für einige Wochen zu betreten.

Diese Beispiele zeigen deutlich, wie sehr bei uns und überall ein Streit noch immer mit körperlicher Gewalt verknüpft ist. Auch in einem heftigen destruktiven Streit halten wir uns, mit wenigen Ausnahmen, an Grenzen, die wir nur in äußerster Not überschreiten. Eine davon ist die Schamgrenze, besonders gegenüber nahe stehenden Personen.